Banklady

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Drehbuch: Kai Hafemeister

Die junge Hamburgerin Gisela Werler (Nadeshda Brennicke) führt Mitte der 60er Jahre ein dröges Leben und muss von ihrem geringen Lohn auch noch ihre Eltern durchfüttern. Das ändert sich jedoch, als Uwe (Andreas Schmidt), ein Arbeitskollege Giselas, ein Versteck für das Geld benötigt, das er gemeinsam mit dem Taxiunternehmer Hermann „Peter“ Wittorff (Charly Hübner) bei einem Bankraub erbeutet hat. Gisela ist fasziniert von der Tat der beiden Männer und hilft ihnen. Sie bittet Hermann sogar, ihr beizubringen, wie man Banken überfällt. Schon beim ersten Versuch zeigt sich Giselas kriminelles Talent und es folgen knapp 20 weitere Überfälle, bei denen das Paar insgesamt rund 450 000 Mark einsackt. 1967 gibt es bei einem Raub in Bad Segeberg jedoch überraschend Probleme. Die vier Bankangestellten wehren sich unerwartet heftig – und verfolgen die flüchtenden Täter…
Quelle: https://www.filmstarts.de/kritiken/199250.html

DE · 2013 · Laufzeit 118 Minuten · FSK 12 · Actionfilm, Drama, Kriminalfilm · Kinostart 27.03.2014

Drehbuch: Kai Hafemeister, Christoph Silber
Regie: Christian Alvart
Bildgestaltung: The Chau Ngo
Produktion: Syrreal Entertainment in Koproduktion mit StudioCanal, Degeto Film und NDR
Verleih: StudioCanal

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Prädikat: wertvoll

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DIE DEUTSCHE FILM- UND MEDIENBEWERTUNG

Auch das war damals eine Form der Emanzipation und noch dazu ein gefundenes Fressen für die Boulevard-Presse. Als erste Bankräuberin Deutschlands und noch dazu überaus höfliche Kriminelle brachte es Gisela Werler in den 1960er Jahren zu einiger Berühmtheit. 19 Banken überfiel sie, zumeist gemeinsam mit einem Komplizen und sorgte so für ihr ganz eigenes Wirtschaftswunder. Mit BANKLADY hat Christian Alvart dieser Frau ein filmisches Denkmal gesetzt und dazu einen Film mit deutlichen Anleihen beim Genrekino gewagt, wie man ihn in Deutschland nicht allzu oft zu sehen bekommt.

Zwar basiert der Film auf realen Ereignissen, doch zugleich fühlt man sich deutlich an eine beinahe schon vergessene Traditionslinie des deutschen Nachkriegskinos erinnert – den Filmen, die heute subsumierend unter dem Begriff „Bahnhofskino“ geführt werden und die gerade so etwas wie eine kleine Renaissance erleben. Mit ihnen eint Alvarts Film das Interesse für realistische Milieuzeichnungen der einfachen Leute und sein Sinn für Drive und Tempo. Die präzise Beschreibung der bundesbürgerlichen Spießigkeit der 60er Jahre – zusammen mit einem passend ausgewählten Soundtrack – gelingt dem Film spürbar gut und macht ihn daher zu einem sehr authentischen Zeitbild.

Etwas unmotiviert wirkt eine sehr prägnante Sequenz, die mittels grafischer Elemente den Aufstieg Werlers zu einer Ikone der Boulevard-Presse und einer Art Popstar illustrieren soll. An dieser Stelle greift der Film wieder auf die Exposition zurück, in der man die sichtlich eingeschüchterte Gisela umrahmt von Zeitschriften-Covers und Werbeplakaten zeigt, die ihr (und dem Zuschauer) auf recht plakative Weise klarmachen sollen, dass sie, die graue Maus, nicht in die große Welt gehört, dass ihr die Verheißungen des Wirtschaftswunders und des sozialen Aufstiegs verwehrt bleiben – außer sie nimmt sich ihren Anteil zur Not mit Waffengewalt.

Allerdings bleiben solche Verankerungen im sozialen zeitgeschichtlichen Kontext eher die Ausnahme – BANKLADY ist in erster Linie ein Film, der unterhalten will. Und das tut er mit einigen Abstrichen erstaunlich gut. Beispielhaft sei hierfür die Szene genannt, als die Polizei das vermeintliche Versteck des Gangsterpärchens umstellt und mit einer geschickten Parallelmontage auf einfache, aber effiziente Weise Spannung erzeugt wird. Erwähnenswert ist unbedingt auch noch die liebevolle Ausstattung des Filmes, die viel zum Gelingen des Gesamtwerks beiträgt.

Wahrscheinlich liegt es an den unübersehbaren Genre-Anleihen, dass BANKLADY mit recht einfachen Gegenüberstellungen und Gegensatzpaaren arbeitet, die im Falle der Kontrastierung der Gauner mit dem ermittelnden Polizisten nicht immer funktioniert. Im Bezug auf andere Aspekte, etwa auf die Zeichnung des Gangsterpaares selbst, hingegen erscheint der Genreanteil zu gering bzw. nicht konsequent genug verfolgt. Die Faszination der Presse für die „Räuberin mit den schönen Beinen“ ist jedenfalls laut Ansicht der Jury schwer zu verstehen.

Hinzu kommt, dass nicht alle Darsteller die Story gleichermaßen tragen. Ken Duken wirkt als Widersacher der Gangster ein wenig „verkleidet“ und Nadeshda Brennicke meistert ihren Part zwar gut, wirkt aber gerade zu Beginn der Geschichte nicht unscheinbar genug – die graue Maus, die erst mit dem Ausbruch aus dem kleinbürgerlichen Korsett zu neuem Selbstbewusstsein gelangt, nimmt man ihr nicht immer ab.

Insgesamt stellt BANKLADY jedoch zweifelsohne den gelungenen Versuch dar, Zeit- Sozial und Kriminalgeschichte spannend und unterhaltsam und ohne erhobenen Zeigefinger zu erzählen – im aktuellen deutschen Kinos ist allein das schon eine positiv hervorzuhebende Seltenheit.

Nach ausführlicher Diskussion entschied sich die Jury für die Vergabe des Prädikates ‚wertvoll‘.

FRANKFURTER NEUE PRESSE

„Alvart – der unter anderem für die „Tatort“-Krimis um Nick Tschiller (Till Schweiger) auf dem Regiestuhl saß – machte aus der spektakulären Geschichte einen sehenswerten Gangsterfilm, wobei ihm viele Eindrücke der späten Adenauerzeit gelangen. Ein vergessener Koffer ihres Verehrers (Andreas Schmidt) wird zum Auslöser Gisela Werlers Ausbruchs aus ihrem engen Elternhaus mit verhärmter Mutter und dem von Krieg versehrten Vater. Charly Hübner, als „Polizeiruf“-Kommissar sonst auf der richtigen Seite des Gesetzes aktiv, mimt den Wittorff. Erwartungsgemäß macht er das ausgezeichnet. Und noch besser gefällt Nadeshda Brennicke als Gisela: Gerade ihre glaubwürdige Wandlung von der hübschen grauen Maus zur nervenstarken Femme Fatale macht einen Großteil der authentischen Wirkung des Films aus.“

FILMSTARTS

„Die „Banklady“ muss man einfach mögen! Christian Alvart liefert mit seinem stark besetzten, nostalgieschwangeren Thriller-Liebesdrama sympathisches deutsches Popcorn-Kino mit hohem Unterhaltungswert.“