Schnee in der Neujahrsnacht

Schnee in der Neujahrsnacht

Regie: Thorsten M. Schmidt

Sylvesternacht in Berlin: Ex-Knacki Toto beginnt als Busfahrer: Erst muß er der schwangeren Russin Natalia unter die Arme greifen, dann hat er noch einen toten Drogenkurier samt Koffer mit Koks am Hals. Ex-Pilot Rory sitzt im selbst gebastelten Heißluftballon und will seine untreue Frau erschießen. Die einsame Nora wartet seit drei Jahren auf ihren inhaftierten Freund. Und Radio-Moderator Zippo hat den Blues.

Neujahrsnacht 1999, die alte, neue deutsche Hauptstadt Berlin. Zippo, ein unglücklich verliebter Radiomoderator, fordert seine Hörer auf, ihre guten Vorsätze zu verwirklichen. Sein treuester Fan Toto, soeben aus dem Knast entlassen, fährt die erste Tour als Busfahrer und findet im Doppeldecker prompt einen toten Drogenkurier nebst einem Koffer voller Koks und eine junge, schwangere Russin. Totos Mithäftling Frank plant mit seinen Kumpanen wiederum einen Jahrhundertdeal, bei dem es um nicht weniger als eine Million Mark geht…

Quelle: https://www.kino.de/film/schnee-in-der-neujahrsnacht-1999/

DE · 1999 · Laufzeit 100 Minuten · FSK 12 · Komödie · Kinostart 16.12.1999

Drehbuch: Stefan Kolditz
Regie: Thorsten M. Schmidt
Produktion: UFA-Filmproduktion Babelsberg in Koproduktion mit Buena Vista International, WDR und arte
Sender: WDR, arte
Verleih: Buena Vista International

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Preise

Auswahl

Prädikat: besonders wertvoll

10. Kinofest Lünen ‧ Publikumspreis

Deutscher Filmpreis 2000 ‧ Nominierungen für Bester Hauptdarsteller und Beste Hauptdarstellerin

Kritiken

Auswahl

cinema.de

Die verwobenen Schicksale von Menschen in Berlin zum Jahreswechsel – ein brillanter Episodenfilm

GERNOT GRICKSCH

Der dicke Toto will, frisch aus dem Knast entlassen, ein ehrbarer Busfahrer werden. Aber bald hat er eine schwangere Prostituierte, einen toten Diplomaten, einen Koffer voller Koks, drei Gangster und einen echten Bären am Hals. Der versoffene Rory will sich an seiner untreuen Gattin rächen und bastelt dafür einen abenteuerlichen Fesselballon. Der melancholische Radiomoderator Zippo liebt seit Jahren heimlich seine Nachbarin Nora und möchte sich ihr in dieser Nacht der Nächte offenbaren…

Das Besondere an diesen miteinander verwobenen Kurzgeschichten, die sich am 31. Dezember 1999 in Berlin zutragen, sind ihre Protagonisten. Echte Menschen, mit denen man fühlt. Speziell Jürgen Tarrach, der als Toto mit traurigen Augen tapfer gegen sein Schicksal antritt, schließt man ins Herz. Aus ihm und seinen Kollegen hat Kinodebütant Thorsten Schmidt das Beste herausgeholt. Dazu kommen die schönsten Aufnahmen von Berlin seit „Lola rennt“: Wenn sich die Nacht wie ein Mantel über die Häuser legt, funkelt die Stadt in betörendem Glanz. Und die (wegen des geringen Produktionsbudgets) menschenleeren Straßen und Plätze verstärken nur die groteske Atmosphäre des Films. Eine warmherzige Kinoshow, so selten wie ein Übergang von einem Jahrtausend ins nächste.

FBW BEGRÜNDUNG

In Inhalt und Gestaltung ist dieser Film nach Meinung des
Bewertungsausschusses eine der großen Überraschungen aus
deutscher Produktion in diesem Jahr. Ein glänzendes Drehbuch mit
überzeugenden Dialogen war die Grundlage für wunderschöne
Szenenfolgen. Neben der zentralen Geschichte um Busfahrer Toto
und seine unfreiwillige nächtliche Begleiterin Natalia bietet
sich dem Zuschauer ein reicher Reigen von kleinen Nebengeschichten, die teils tragisch, teils skurril, teils
herzhaft komisch, teils romantisch sind. Das wird nie platt
erzählt, sondern mit intelligentem Humor, mit überraschenden
Wendungen und schönen Einfällen. Stimmig ist der Erzählrhythmus und die Montage präzise. Dank einer hervorragenden Kamera auf dem Boden und in der Luft, bietet der Film Bilder von magischer Kraft und zauberhaft-märchenhafter Atmosphäre. Eine gelungene
musikalische Untermalung verstärkt dies noch trefflich.

Thorsten Schmidt, der Regisseur, inszenierte erstaunlich sicher
und führte die glänzend besetzte Darstellerriege zu überzeugenden Leistungen: An deren Spitze Jürgen Tarrach und Tamara Simunovic sowie auf besondere Weise Hannes Jaenicke, der als DJ Captain Zippo den Bogen über die Geschichten im nächtlichen Berlin spannt und mit seiner ausdrucksstarken Stimme den Zauber noch verstärkt, verbunden mit großer Menschlichkeit.