Back for Good

Back for Good

Back for Good

Regie: Mia Spengler

Reality-TV-Sternchen Angie kommt frisch aus dem Drogenentzug. Eigentlich sollte das Ganze nur eine PR-Aktion sein, mit der sie sich einen Platz im nächsten Dschungelcamp sichern wollte. Doch die Konkurrenz ist hart in einer Welt in der Aufmerksamkeit als Währung gilt. Inzwischen hat sich auch noch ihr Freund und Manager von ihr getrennt und keiner ihrer sogenannten Freunde ist bereit sie aufzunehmen. Daher muss Angie zurück zu ihrer Mutter Monika in ihr Heimatkaff ziehen.

Ähnlich schwer hat es Angies pubertierende Schwester Kiki: Wegen ihrer Epilepsieerkrankung besteht Monika darauf, dass sie einen Schutzhelm trägt. Dieser isoliert sie auch effektiv von allen anderen Jugendlichen in ihrem Umfeld. Da bleibt nur das Internet, um nicht als ewiger Außenseiter zu enden. Mit einem dilettantischen Tanzvideo versucht sie sich der Youtube-Community vorzustellen. Doch statt des erhofften Zuspruchs machen ihr ein paar Cybermobber von nun an das Leben zur Hölle. Dabei will Kiki doch einfach nur dazu gehören. Ein Gefühl, das Angie sehr gut kennt. Als sie die Luftmatratze neben Kikis Bett bezieht, ist sie für ihre kleine Schwester wie ein Engel mit Silikonbrüsten, der perfekte Ratgeber, wenn es darum geht, sich aus der sozialen Isolation zu befreien. Und auch Angie fühlt sich ihrer kleinen Schwester unerwartet verbunden und verteidigt sie gegen Monikas übergriffiges Verhalten. Doch als Monika nach einem Zusammenbruch ins Krankenhaus kommt, muss Angie plötzlich wirklich Verantwortung für Kiki übernehmen, dabei wollte sie doch eigentlich zurück ins Fernsehen. Was anfänglich wie eine Katastrophe scheint, wird zur bittersüßen Chance für alle drei Frauen sich zu transformieren.
Quelle: https://backforgood-derfilm.de/

DE ‧ 2017 ‧ Tragikomödie, Drama ‧ FSK ab 12 ‧ Dauer 95 Min. ‧ Kinostart: 31.05.2018

Drehbuch: Stefanie Schmitz
Drehbuchmitarbeit: Mia Spengler
Regie: Mia Spengler
Bildgestaltung: Falko Lachmund
Produktion: Zum Goldenen Lamm Filmproduktion in Koproduktion mit Filmakademie Baden-Württemberg und SWR
Verleih: NFP

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Preise

Auswahl

Deutscher Filmpreis 2018 · Nominierung Beste Weibliche Hauptrolle für Kim Riedle
BUNTE New Faces Award 2018 · Nominierung Bester Debutfilm
Eröffnungsfilm Perspektive Deutsches Kino Berlinale 2017
Nominierung GWFF Preises Bester Erstlingsfilm 2017 (Berlinale)
Studio Hamburg Nachwuchspreis 2017 · Bester Film
Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2017 · Förderpreis der DEFA-Stiftung;
FIPRESCI-Award (Internationale Filmkritikervereinigung);
Nachwuchsdarstellerpreis für Kim Riedle
MFG Star 2017 · Nominierung Beste Regie
Filmfest Biberach 2017 · Bester Debutfilm und Schülerbiber
Evolution Mallorca International Film Festival 2018 – Bester Film

Kritiken

Auswahl

EPD FILM

„…Regiedebütantin Mia Spengler geht bei ihrem Porträt eines scheiternden Starlets erfrischend unkonventionell vor. Die Inszenierung, stets auf Angies Augenhöhe, ist nämlich ganz straight, um im denglischen Jargon der Heldin zu bleiben, kommt ohne besserwisserische Ironie und ohne Blondinenwitz aus. Auch billige Milieukritik oder Sozialromantik wie etwa im Fall des Partygirls Holly Golightly, einer Vorfahrin der schlagfertigen Angie, werden vermieden.

Die Leichtigkeit, mit der Kim Riedle diesem potenziell peinlichen Busensternchen Format verleiht, ist ziemlich großartig. Im vorurteilslosen Blick auf Angies rastlose Selbstbehauptungskämpfe verliert sich das Fremdschämgefühl. Der Film würdigt nicht nur das traditionsreiche Handwerk des Aufzäumens mit all seinen Methoden, vom Waxing bis zur Herstellung von »Big Hair«. Angie erscheint auf ihre Weise als Mackerin, die, zwischen Glanz und Elend, mit aller Energie um ihr Comeback kämpft.

Dabei wird zwar nicht vor Klischees und überkonstruierten Konflikten zurückgeschreckt. Neben Angies Nemesis, der gequält quälenden Mutter, gibt es auch noch eine Schwester, die, mit Epilepsie diagnostiziert, eine unförmige Kappe tragen muss und gemobbt wird. Doch der schier unentrinnbare mütterliche Double Bind zwischen übergriffiger Fürsorge und schroffer Lieblosigkeit wurde selten so genau vorgeführt.

Letztlich handelt der Film davon, wie Frauen »gemacht« werden, vom Narzissmus und seinem Zwilling, einer tiefgehenden ­Unsicherheit. Wie Frauen gefangen sind im Irrtum, dass das eigentliche weibliche ­Kapital immer noch das Aussehen ist. Da wirkt es nur folgerichtig, dass Angie ihrer schüchternen Schwester beim Aufdonnern und beim Produzieren von YouTube-Videos hilft und ihren Konkurrentinnen an die Gurgel geht. Selbst wenn angedeutet wird, dass Kiki einem Schicksal als halbseidenes ­Mädchen entkommt, ist dies kein Feelgoodfilm – aber ein anregender Blick auf weibliche Lebenswelten, hoffnungslos, aber nicht verzweifelt.“

KINO ZEIT

„…Angies Welt ist erbärmlich. Elendig. Würdelos. Genau das ist es, was Angies Fans (ja, von denen gibt’s einige!) fasziniert. Wie sich Leute als Promis kaputtmachen – doch diese Welt wird nicht veräppelt in Back for Good. Vielmehr erzählt Mia Spengler zwischendrin plötzlich etwas ganz anderes, etwas von richtiger Menschlichkeit im falschen Leben. Und wenn diese Menschlichkeit auch nur darin besteht, Kiki aufzupäppeln, aus der grauen Maus zumindest so was wie eine kleine Dorfprinzessin zu machen. Angie kümmert sich. Und Kiki wächst daran. Und die Mutter flippt fast aus … Back for Good ist eine Familiengeschichte in Zeiten permanenter Öffentlichkeit, die zum eigenen Nutzen bewältigt werden will. Und weil die Charaktere perfekt ausbalanciert sind, weil sie zwar die Oberflächlichkeit leben, aber nicht oberflächlich gezeichnet sind, gelingt dieser Film.“

DEUTSCHE FILM UND MEDIENBEWERTUNG

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Mia Spengler hat in ihrem Regiedebüt, für das sie zusammen mit Stefanie Schmitz auch das Drehbuch geschrieben hat, eine große Fallhöhe eingebaut: Ex-Reality-TV-Sternchen Angie (Kim Riedle) kommt aus dem Drogenentzug und will ins Dschungelcamp. Der Traum platzt, ihre alten Freunde wollen nichts mehr von ihr wissen. Und so muss sie wieder in ihr Heimatkaff zu ihrer spießigen Mutter Monika (Juliane Köhler) und der 14jähigen Schwester Kiki (Leonie Wesselow) ziehen. Als Monika ins Krankenhaus kommt, ist Angie gezwungen, sich um Kiki zu kümmern, die wegen ihrer epileptischen Anfälle einen hässlichen Schutzhelm tragen muss. Das isolierte Mädchen versucht mit einem dilettantischen Tanzvideo Zugang zur angesagten Youtube-Community in ihrer Schule zu bekommen, was gründlich schiefgeht: die Cybermobber machen Kiki fortan das Leben zur Hölle. Angie, die sich mit ihrer großen Klappe von niemandem etwas gefallen lässt, erscheint Kiki als der rettende Engel.

Die Jury war sehr angetan von der großen Energie mit der Hauptdarstellerin Kim Riedle den Film trägt. Das Milieu, in dem Angie sich bewegt, wird glaubwürdig dargestellt, ohne es abzuwerten. Der Film zeigt die Probleme des Erdrückt-Werdens und Entfliehens, die in jeder Schicht der Gesellschaft vorkommen. Einen zusätzlichen Mehrwert erhält BACK FOR GOOD durch die genaue Zeichnung der Youtube-Community, in der sich die Schüler bewegen. Ohne erhobenen Zeigefinger werden Fragen nach der sozialen Toleranz gestellt und wie man mit Leuten, die anders sind, umgeht. Die dynamische Kamera ist adäquat und funktional eingesetzt, unterstützt von einer stimmigen Lichtsetzung bleibt sie eng an den Hauptfiguren. Hervorzuheben sind auch Ausstattung, Kostüme und der mitreißende Soundtrack. Die Jury vergibt das Prädikat „besonders wertvoll“.