Schrotten!

Schrotten!

Schrotten!

Drehbuch: Oliver Keidel, Max Zähle u.a. / Regie: Max Zähle

Mirko Talhammer (Lucas Gregorowicz) ist fassungslos, als zwei sonderbare Typen in seinem feinen Hamburger Versicherungsbüro auftauchen und ihn per Kopfnuss daran erinnern, wo er eigentlich herkommt: von einem Schrottplatz in der Provinz. In dieser Welt zählt nicht die große Karriere, hier sind andere Dinge wichtig: das Schrotten, die Familie und ab und zu eine gepflegte Schlägerei. All das hatte Mirko hinter sich gelassen, doch sein Vater macht ihm noch im Tod einen Strich durch die Rechnung und vererbt ihm den heruntergewirtschafteten Schrottplatz – zusammen mit seinem Bruder Letscho (Frederick Lau). Der ist immer noch stinksauer, dass Mirko den Clan damals im Stich gelassen hat. Schnell wird den Brüdern allerdings klar, dass die Talhammers nur eine Zukunft haben, wenn sie sich zusammenraufen und den letzten waghalsigen Plan ihres Vaters gemeinsam verwirklichen: einen Zugraub im ganz großen Stil! Der Coup an sich ist schon ein Himmelfahrtskommando, doch dann kriegt auch noch Kercher (Jan-Gregor Kremp), der ärgste Konkurrent der Talhammers, Wind von der Sache…

Quelle: https://www.schrotten-derfilm.de/

DE · 2016 · Laufzeit 95 Minuten · FSK 12 · Drama, Komödie · Kinostart 05.05.2016

Drehbuch: Oliver Keidel, Max Zähle, Johanna Pfaff nach einer Drehbuchvorlage von Fabian Wiemker
Regie: Max Zähle
Produktion: Tamtam Film
Sender:NDR, HR und arte
Verleih: Lighthouse
Weltvertrieb: Lighthouse

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Preise

Auswahl

Internationales Filmfest Emden-Norderney ‧ Nominierung Emder Drehbuchpreis
Max Ophüls Preis 2016 ‧ Nominierung Bester Spielfim
Max Ophüls Preis 2016 ‧ Publikumspreis

Kritiken

Auswahl

epd MEDIEN

Kritik zu Schrotten!

In der grundsympathischen Prollkomödie geht es um zwei Brüder, die einen Schrottplatz erben. Ein schweres Geschäft ist das heutzutage

RUDOLF WORSCHECH

Wer jemals auf einem Schrottplatz war, weiß um die Magie dieses Ortes. Alles ist dort – buchstäblich – hingestellt wie nicht abgeholt, jedes Teil hat seine Geschichte, und alles kann wiederverwendet werden. Die Typen, die diese Plätze betreiben, waren meist von der Sorte raue Schale/weicher Kern. Aber es ist ein untergehendes Gewerbe, gegen das sowohl die Rentabilität als auch, mitunter, der Umweltschutz spricht. Und in moderne Autos kann in Zeiten, in denen Alteisen »Wertstoff« heißt, sowieso kein normaler Mensch mehr irgendwelche gebrauchten Ersatzteile einbauen. Der Platz in »SCHROTTEN!« ist aber weniger für Autos denn für klassisches Altmetall. Liebevoll haben ihn die Ausstatter des Films dekoriert mit viel herumliegendem Zeugs, ein idealer Spielplatz für die Kinder der Familie. Und das Büro ist, wie es sich gehört, im ersten Stock eines provisorischen Gebäudes – damit man den Platz gut überblicken kann.

Eigentlich hat Mirko (Lucas Gregorowicz) mit dieser Szene gebrochen und arbeitet nun in einer Versicherung mit eher windigen Geschäftsmethoden. Im Anzug. Auch wenn es bei ihm gerade nicht gut läuft – er ist doch überrascht, als plötzlich zwei Typen aus seiner Vergangenheit in seinem Büro stehen und ihn nachdrücklich mit nach Hause nehmen. Mirkos Vater ist gestorben und hat ihm, zusammen mit seinem Bruder Letscho, den Schrottplatz vererbt. Mirko und Letscho, das sind Namen ähnlich paradigmatisch wie Manni in »LOLA RENNT«. Letscho wird dargestellt von Frederick Lau mit Bomberjacke, eher tiefbegabt, um einmal mit Rico aus den Büchern von Andreas Steinhöfel zu sprechen, aber ein Familienmensch mit großem Herz. Ein »Vollblut-Schrotti«. Die Brüder mögen sich nicht besonders, und Mirko ist bereit, den Platz an den lokalen Altmetallkönig Kercher (Jan-Gregor Kemp), der schon alle kleinen Schrottplätze in der Umgebung aufgekauft hat, zu verhökern.

Die Geschichte vom verlorenen Sohn kreuzt sich mit der von den beiden ungleichen Brüdern –  das sind natürlich Stereotype. Aber Max Zähle, der das Drehbuch für seinen ersten Langfilm zusammen mit Oliver Keidl und Johanna Pfaff schrieb, kann seine Figuren mit Leben füllen. Neben seinen beiden Hauptdarstellern helfen ihm noch der in diesem Film eher bodenständig denn abgedreht eingestellte Lars Rudolph und Mumblecore-Shootingstar ­Heiko Pinkowski in prägnanten Nebenrollen. Beim Max Ophüls Preis in diesem Jahr hat er dafür den Publikumspreis gewonnen.

Unter den teutonischen Werken der letzten Jahre, die für ein großes Publikum gedacht sind, ist »SCHROTTEN!« eine löbliche Ausnahme. Keine Peinlichkeiten, keine Zoten, nichts Ordinäres. Man muss die grundsympathische Prollkomödie in eine Reihe stellen mit Peter Thorwarths »BANG BOOM BANG«. Und wer noch höher hinauswill, könnte sich bei der Zugentführung an den Überfall auf den »Gold Coast Flyer« in »ARCHIE UND HARRY« erinnert fühlen.

FRANKFURTER RUNDSCHAU

Kino-Koproduktion „Schrotten!“

TILMANN P. GANGLOFF

Der Titel ist erst einmal nichtssagend, und auch die Information, dass „Schrotten!“ die Geschichte von zwei Brüdern und ihrem Schrottplatz erzählt, erhöht das Interesse nur geringfügig; die Assoziation zur Familie Ludolf, die seit 2006 durch die Programme der Privatsender vagabundiert, ist wenig verheißungsvoll. Diese Vorverurteilung hat der Film jedoch nicht verdient: Max Zähle erzählt in seinem maßgeblich vom NDR finanzierten Langfilmdebüt von einem ungleichen Brüderpaar, das seine Feindschaft begraben muss, um den vom Vater geerbten Schrottplatz zu retten. Das klingt zunächst schlicht, und natürlich ist das Erbe nicht zuletzt Mittel zum Zweck, um den Helden seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen, aber das Drehbuch (Zähle sowie Johanna Pfaff und Oliver Keidel) sorgt immer wieder für Überraschungen und bedient sich zudem gleich mehrerer Westernmotive.

„Schrotten!“ spielt irgendwo in Norddeutschland. Die Gegend ist wenig einladend, und das liegt nicht nur an den herbstlichen kühlen Nebelbildern. Kein Wunder, dass Mirko Talhammer (Lucas Gregorowicz) Region und Elternhaus einst fluchtartig verlassen hat, selbst wenn es mehr als fraglich ist, ob sein Dasein als windiger Versicherungsvertreter wirklich das Ziel seiner Träume war; aueßrdem schuldet er dem Konzern 100.000 Euro, weil er sich auf krumme Geschäfte mit seinen Kunden eingelassen hat. Eines Tages tauchen zwei zwielichtige Gestalten im Hamburger Büro auf, und weil er nicht freiwillig mitkommt, entführen sie ihn kurzerhand: Mirkos Vater ist gestorben. Für seinen Bruder Letscho (Frederick Lau), Lebensmotto „Lieber tot als Sklave“ und außerdem „Vollblutschrotti“, steht es außer Frage, die Familientradition fortzusetzen, doch Mirko, der 15 Jahre nicht mehr zuhause war und gut damit leben kann, dass ihn die Sippe als Außenseiter betrachtet, macht lieber gemeinsame Sache mit dem übermächtigen Konkurrenten Kercher (Jan-Gregor Kremp), der bereits alle anderen Schrottplätze der Gegend aufgekauft hat. Aber dann erfährt er, dass Letscho einen  großes bis größenwahnsinniges Ding plant. Mit Mirkos Hilfe, der im Gegensatz zu Letscho einen Blick für die Schwachstellen hat, gelingt der Coup sogar, aber Kercher ist auch nicht blöd und sorgt dafür, dass der alte Bruderzwist wieder aufflammt. Schließlich kommt es zum Showdown auf dem Marktplatz, bei dem die Brüder nur scheinbar den Kürzeren ziehen.

Max Zähle, der für seinen Kurzfilm „Raju“ (2010) für den „Oscar“ nominiert war und anschließend für den NDR einige Folgen „Großstadtrevier“ drehen durfte, hat zwar darauf verzichtet, „Schrotten!“ auch wie einen Western zu inszenieren, aber die Anklänge sind unübersehbar: vom bösen Großgrundbesitzer, der den Ort fest im Griff hat, über das Motiv „Diese Stadt ist zu klein für uns beide“ bis hin zum Streit zwischen den Brüdern, der sich erst durch eine handfeste Prügelei aus der Welt schaffen lässt. Nebenbei ist die Komödie noch eine Hommage an Zugräuber-Klassiker wie „Der erste große Eisenbahnraub“ oder „Die Gentlemen bitten zur Kasse“. Letschos Kumpane erinnern dagegen an die unberechenbaren Hinterwäldler aus amerikanischen Filmen: verwegene Gestalten, denen grundsätzlich jede Schandtat zuzutrauen ist, die aber bei Zähle selbstredend allesamt gute Kerle sind; wenn ein Mann schon „Träumchen“ heißt, kann er kein schlechter Mensch sein. Mit Schauspielern wie Lars Rudolph und Heiko Pinkowski sind diese Figuren zudem interessant besetzt.